Eure Fragen vom #lstth18

Ihr habt gefragt - der Minister geantwortet

Im Vorfeld des #lstth18 habt ihr Fragen an den Minister gestellt - die Antworten findet ihr.

Wie sieht Ihr Plan aus, um den Lehrermangel in Thüringen zu bekämpfen?

In der Thüringer Bildungspolitik hat es im Jahr 2018 sehr viel Bewegung gegeben. Die Unterrichtsabsicherung hat oberste Priorität. Dafür wird alles getan. Minister Helmut Holter hat an einer Vielzahl von Stellschrauben gedreht, um Lehrkräfte für Thüringen zu gewinnen und das Einstellungsverfahren schneller und effektiver zu machen. Wir stellen konsequent neue Lehrerinnen und Lehrer ein. In den Jahren 2015, 2016 und 2017 wurden jeweils 500 neue Lehrkräfte in den Thüringer Schuldienst geholt. In diesem Jahr wurde die Systematik der Neueinstellungen umgestellt. Mit der steigenden Zahl der Pensionierungen ist absehbar gewesen, dass die jährlichen 500 Einstellungen nicht mehr ausreichen werden, um den Bedarf zu decken. Deshalb hat die rot-rot-grüne Landesregierung mit dem Personalentwicklungskonzept 2025 im letzten Frühjahr beschlossen, dass der „Deckel“ von 500 Stellen wegfällt und in den nächsten Jahren alle aus dem aktiven Schuldienst ausscheidenden Lehrkräfte ersetzt werden können.

Nach derzeitigem Stand gehen in diesem Jahr 832 Lehrerinnen und Lehrer in den Ruhestand oder scheiden aus anderen Gründen aus dem Thüringer Schuldienst aus. Es können also 826 neue Lehrkräfte eingestellt werden. Von diesen 882 Stellen sind aktuell 781 nachbesetzt, das sind 95 Prozent. Das Einstellungsverfahren läuft kontinuierlich weiter. Im nächsten Jahr werden wir mit einer Lehrergewinnungskampagne noch stärker für den Thüringer Schuldienst werben.
Mit der Wiedereinführung der Verbeamtung, der Besoldungserhöhung für Regelschullehrer und der Flexibilisierung des Einstellungsverfahrens haben wir zudem wichtige Schritte unternommen, um die Attraktivität des Lehrerberufs in Thüringen zu steigern. Das alles ist für die Unterrichtsabsicherung unerlässlich, wir müssen aber auch die Schulstruktur effektiver gestalten. Angesichts des bundesweiten Lehrermangels wäre es fahrlässig, nicht zu handeln. Deshalb möchte ich, dass kleine Schulen zukünftig eng kooperieren, weil in größeren Kollegien der Unterricht besser abgesichert werden kann.

Am 25. Oktober 2018 haben die Vorsitzenden der GEW, des tbb und des tlv erste Vereinbarungen des neu verhandelten Personalentwicklungskonzepts Schule unterzeichnet. Viele Ideen und Wünsche der Thüringer Lehrerinnen und Lehrer sind in diese Vereinbarungen eingeflossen bzw. milderten die ursprünglichen Pläne des Bildungsministeriums im Sinne guter Arbeitsbedingungen ab und sind daher ein Erfolg der Arbeitnehmervertretungen.

Zentrale Inhalte der Vereinbarungen sind:

  1. Personalreserve: Personalreserve zur Absicherung von Unterricht, Betreuung und Förderung in Höhe von 10 Prozent des Grundbedarfs als schulinterne und mobile Vertretungsreserve. Diese gilt neben Unterricht auch für die Hortbetreuung und für Fördermaßnahmen. (Unterarbeitsgruppe 1)
  2. Versetzungen und Abordnungen: Ein abgestimmtes Verfahren zu Versetzungen und Abordnungen, dass neben dienstlichen Gründen auch verstärkt persönliche Gründe in den Blick nimmt und soziale Kriterien berücksichtigt. (Unterarbeitsgruppe 3)
  3. Nachwuchsgewinnung: Zur Nachwuchsgewinnung wurden und werden die Einstellungsrichtlinien geändert, die bessere Besoldung der Regelschullehrer*innen sowie eine intensivere Berufswahl- und Studienorientierung vereinbart. Hinsichtlich der Einstellungsverfahren in den Vorbereitungsdienst und in den Schuldienst wurde vereinbart, dass die Verfahren transparenter gestaltet werden. (Unterarbeitsgruppe 4)
  4. Pädagogenbildung: Unter der Berücksichtigung der aktuellen personellen Situation in den Schulen entstand ein Grundsatzpapier zur Qualifizierung von Seiteneinsteiger*innen, weitergehende Vorschläge für Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und Lehramtsanwärter*innen, um dem fachspezifischen Bedarf an Schulen besser gerecht zu werden. Weiterhin wurden Verabredungen zur Ausbildungskapazität im Vorbereitungsdienst getroffen. (Unterarbeitsgruppe 5)

Voraussetzung zur erfolgreichen Umsetzung ist die dauerhafte Zuverfügungstellung ausreichender Ressourcen.

Websites zur besseren Kommunikation

Viele Schulen und Schüler würden sich eine App oder Website wünschen, die eine Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern ermöglicht, wichtige Informationen, wie zum Beispiel den Vertretungsplan, verbreiten kann und gegebenenfalls sogar Unterrichtsmittel, wie Hausaufgaben oder Zusammenfassungen, zur Verfügung stellt. Neben mangelndem Interesse der Lehrerschaft an einem solchen Projekt, scheitert dies aber sehr häufig an datenschutzrechtlichen Problemen sowie an finanziellen Mitteln. Nun meine Frage: Können Sie sich vorstellen, ein solches Programm oder eine standardisierte Website zentral, von Ihrem Ministerium aus, zu erstellen und den Schulen zur Verfügung zu stellen, damit diese es dann für sich benutzerfreundlich anpassen können?

Die Notwendigkeit einer digitalen Anwendung – wie in der Frage beschrieben – wird auch seitens des Ministeriums gesehen. Aus diesem Grund wurde das ThILLM beauftragt, gemeinsam mit der TU Ilmenau an der Bereitstellung eines Lernmanagementsystems für Thüringer Schulen zu arbeiten. Dies geschieht im Rahmen der Digitalstrategie Thüringer Schule (DiTS). Es soll eine Pilotphase mit den Spezialgymnasien im ersten Quartal 2019 geben. Die Erfahrungen daraus werden dann für den landesweiten Einsatz genutzt. Das Lernmanagementsystem vereint alle für Funktionen, die ein durch digitale Medien und Technologien unterstütztes Lernen für jeden Schüler und jede Schülerin ermöglichen.  

Förderung von schulischen Informationsveranstaltungen

Inwiefern werden schulische Informationsveranstaltungen zu politischen und gesellschaftlichen Themen, z.B. Drogenprävention, von Ihrem Ministerium gefördert?

In Eigenverantwortung haben Thüringer Schulen die Möglichkeit, Projekte und Veranstaltungen am Lernort Schule zu politischen und gesellschaftlichen Themen (einschl. Drogenprävention) durchzuführen. Das TMBJS stellt hierfür den Schulen Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen von unterrichtbegleitenden Vorhaben am Lernort Schule von bis 500 € pro Schule zur Verfügung. Die entsprechenden Antragsunterlagen sind online (Formular, Hinweise) abrufbar unter:

https://www.thueringen.de/th2/tmbjs/bildung/foerderung/vorhaben_am_lernort_schule/index.aspx

Praktischerer Unterricht

Gibt es Pläne, seitens Ihres Ministeriums, praktische Aufgaben des Lebens (Erstellen einer Steuererklärung, Aufklärung über Versicherunsgsschutz) mehr in die Lehrpläne einzubinden um die Schüler besser auf das Leben nach der Volljährigkeit vorzubereiten?

Die Thüringer Lehrpläne enthalten durchaus Inhalte, die auf das spätere Leben vorbereiten, wie von der LSV gewünscht. So sind z. B. Fragen der privaten Haushaltsführung, Fragen des Vertragsrechts beim Abschluss von Kaufverträgen, Fragen des Arbeitsrechts, Grundlagen des Familienrechts und des Erbrechts Gegenstand des Unterrichts in den Fächern Wirtschaft-Recht-Technik (Regelschule) bzw. Wirtschaft und Recht (Gymnasium, Gemeinschaftsschule, Gesamtschule). Im Zusammenhang mit dem Arbeitsrecht werden auch die Sozialversicherungen thematisiert. Das Erstellen einer Steuererklärung kann wegen der Komplexität des Steuerrechts nicht Gegenstand des Unterrichts sein.

Bessere Unterstützung digitaler Bildung

Die Medienbildung ist bereits im thüringerischen Bildungssystem enthalten und wird mit einem Medienpass für Schüler bestätigt. In der Realität scheitert diese schon auf grundlegender Ebene. Oft fehlt es bereits an finanziellen Mitteln, um sich als Schule überhaupt ein MS Office Paket zuzulegen, damit die Schüler den zeitgemäßen Umgang mit Excel und Powerpoint erlernen können, der heutzutage im Job unabdinglich geworden ist. Inwiefern versucht Ihr Ministerium digitale Bildung zu unterstützen und wo sehen sie noch Förderungsbedarf?

Das Ministerium unterstützt Digitalisierung mit der Digitalstrategie Thüringer Schule (DiTS). Auf der Grundlage der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ und verschiedener Landespapiere, wie z.B. des Thüringenplans „Zukunft Schule“, wurden Arbeitsgruppen beauftragt, die in den Papieren formulierten Ziele an Thüringer Verhältnisse anzupassen und an der Umsetzung zu arbeiten. Ein wichtiges Vorhaben ist das oben genannte landesweite Lernmanagementsystem. Zudem bereitet das Ministerium gegenwärtig alles vor, um die finanziellen Mittel, die das Land aus dem angekündigten DigitalPakt des Bundes erhalten wird, den Schulen zügig zukommen zu lassen. Dies wird der Digitalisierung an unseren Schulen einen wichtigen Impuls verleihen.

Wenn es um die Rahmenbedingungen geht, die für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht wichtig sind, muss beachtet werden, dass die Schulträger für die materiell sächliche Ausstattung der Schulen verantwortlich sind. Das schließt die Beschaffung von MS Office Paketen u.ä. ein.

Wichtigkeit der Digitalisierung

Wie wichtig sehen Sie die Digitalisierung an Schulen und die Einbindung von Geräten wie Laptops, Tablets oder dem eigenen Smartphone bspw. zur Recherche?

Wir leben in einer digitalisierten Welt. Für Kinder und Jugendliche ist der Gebrauch von digitalen Geräten, wie Smartphones und Tablets, vertraut. Sie nutzen sie in ihrer Freizeit selbstverständlich. Diese Selbstverständlichkeit sollte auch in der Schule gegeben sein. Wir wollen, dass digitale Geräte im Unterricht dort, wo sie das Lernen unterstützen oder Tätigkeiten vereinfachen, auch eingesetzt werden. Dafür schaffen wir mit der Digitalstrategie Thüringer Schule (DiTS) die Voraussetzungen.

Neue Fremdsprachenregelung an Gymnasien

Fremdsprache am Gymnasium, Übergangslösung wird kritisch gesehen. Durch Prüfungsfähigkeit auf Stufe B1 bzw. B2 gleich gestellt. Die 3. FS in der 10. Klasse unterrichtet. Derzeitige Übergangslösung: jetzigen 9. und 10. Klassen als Qualifikationsjahrgänge können sich nicht neu einwählen! Ihre 2. FS, ist bis zur 12. Klasse fix. Fast alle Schüler, gegen dieses Konzept erschüttert und unzufrieden! Ist eine andere Übergangslösung möglich?

Schüler mit Migrationshintergrund noch gar nicht mit eingeschlossen. Häufigen Ausfälle und Lehrerwechsel besonders in Französisch, in 4 Jahren 3 verschiedene Lehrer und sehr viel Ausfall. Im letzten Jahr (9.Klasse) fast ein halbes Jahr kein Französisch! In der 10. Klasse nun schon ab Beginn des Schuljahres nicht. Dramatische Wissenslücken! Die Bücher der 9. Klasse wurden in der 10. Verteilt. Die Lektüre der 8. Klasse wurde nicht final behandelt. Niemand denkt da an eine Prüfung in seiner Fremdsprache. In Russisch ist es in der 9. Klasse eine ähnliche Situation und auch in der 10. Klasse gibt es dort ähnliche Probleme. Wir wünschen uns einfach eine Lösung, die demokratisch, zeitgemäß und im Sinne der Schüler ist. Die derzeitige Lage wurde nie mit Schulleitern, Lehrern, Eltern und Schülern besprochen, geschweige diskutiert. Könnte man nicht wenigstens für die beiden aktuellen Jahrgänge eine Übergangslösung finden?

Die Kultusministerkonferenz fasste im Februar 2018 folgenden Beschluss:

„Das am Ende der Qualifikationsphase in den Fremdsprachen auf der Grundlage des „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen“ (GER) erreichte Niveau wird entsprechend den Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife oder den „Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung“ (EPA) auf dem Abiturzeugnis ausgewiesen, sofern in den letzten beiden Schulhalbjahren der Qualifikationsphase im Durchschnitt mindestens 5 Punkte erreicht wurden.“

Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung

(Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.07.1972 i.d.F. vom 15.02.2018)

Unter den gegenwärtigen Voraussetzungen kann Thüringen diesen Beschluss nicht um-setzen, da die neu einsetzende Fremdsprache erst in der Qualifikationsphase in Klassen-stufe 11 beginnt und nicht das gemäß EPA für die gesamte gymnasiale Oberstufe (ein-schließlich Einführungsphase in Klassenstufe 10) definierte Niveau des GeR erreicht. 

Um den KMK-Beschluss für Thüringen umsetzen zu können, sind Veränderungen im Fremdsprachenangebot der gymnasialen Oberstufe erforderlich. Eine Lösung wurde erar-beitet und den Schulen per Mitteilungsmodul vom 27. September 2018 zur Kenntnis ge-geben. Für Schulleiterinnen und Schulleiter der Gymnasien, Gesamtschulen und Gemein-schaftsschulen wurden vier Informationsveranstaltungen anberaumt, in denen das Konzept für die Übergangsphase erläutert wurde und es die Möglichkeit zu Rückfragen gab. Drei Informationsveranstaltungen fanden bereits statt.

Bezüglich der von der Landesschülervertretung eingebrachten Aspekte wird wie folgt Stellung genommen:

1          Die Übergangslösung wird kritisch gesehen.

Der KMK-Beschluss ist bindend und muss von Thüringen umgesetzt werden. Das Zeit-fenster für die Umsetzung des Beschlusses wird dabei von der KMK vorgegeben (Aus-weisung des GeR-Niveaus ab 2021). Die gefundene Übergangslösung stellt den nach Prüfung aller Handlungsoptionen einzig gangbaren Weg dar.

2          Niveaustufe B1 wird der Niveaustufe B2 gemäß GeR gleichgestellt.

Die EPA formulieren für die in der Einführungsphase neu einsetzende Fremdsprache, dass sich das Zielniveau „an einer Bandbreite zwischen den Niveaustufen B1 und B2 des GeR“ orientiert. Die Anforderungen im rezeptiven Bereich (Hörverstehen, Leseverstehen) werden dabei höher angesetzt als die Anforderungen im produktiven Bereich (Sprechen, Schreiben). Dies wird in der Schreibung B1/B2 wiedergegeben. Eine Gleichstellung der Niveaustufen B1 und B2 erfolgt damit nicht.

3          Die aktuell in den Klassenstufen 9 und 10 lernenden Schülerinnen und Schüler können mit Eintritt in die gymnasiale Oberstufe keine neu einsetzende Fremd-sprache wählen und müssen die in der Sekundarstufe I belegte 2. Fremdsprache fortführen.

In den Schuljahren 2019/2020 und 2020/2021 wird die in der Qualifikationsphase neu einsetzende Fremdsprache nicht mehr angeboten, da sie mit dem Zielniveau A2+ nicht zu dem gemäß EPA festgelegten Zielniveau B1/B2 führt. Schülerinnen und Schüler, die sich gegenwärtig in den Klassenstufen 9/10 befinden, haben folgende Optionen: 

  1. a) Sie können die in der Sekundarstufe I begonnene 2. Fremdsprache fortführen.
  2. b) So sie im Wahlpflichtbereich der Klassenstufen 9/10 die 3. Fremdsprache belegt haben, können Sie bei Eintritt in die Qualifikationsphase den Kurs fortgeführte Fremdsprache auf g.A.-Niveau belegen. Für diesen Kurs gilt der Thüringer Lehr-plan für den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife für die in der Qualifikations-phase der Thüringer Oberstufe fortgeführte Fremdsprache. Der Lehrplan für die in der Qualifikationsphase der Thüringer Oberstufe neu einsetzende Fremdsprache darf nicht mehr eingesetzt werden. Zu berücksichtigen ist, dass der Kurs fortge-führte Fremdsprache auf g.A.-Niveau auf dem Niveau B1 einsetzt, die 3. Fremd-sprache in den Klassenstufen 9/10 jedoch zum Zielniveau A2+ führt.

4          Ist eine andere Übergangslösung möglich?

Nein, eine andere Übergangslösung ist nach Prüfung durch das TMBJS nicht möglich (vgl. auch Antwort auf Frage 1). Der KMK-Beschluss ist für Thüringen bindend. Um Thüringer Abiturientinnen und Abiturienten im Vergleich mit Abiturientinnen und Abiturienten anderer Bundesländer nicht zu benachteiligen und die Vergleichbarkeit des Abiturs zu gewährleisten, muss das Fremdsprachenangebot in der gymnasialen Oberstufe wie geplant umstrukturiert werden. 

Die Schulleiterinnen und Schulleiter, die über die bevorstehenden Änderungen bereits informiert wurden, benötigen Handlungssicherheit.

5          Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund werden in die Überlegungen nicht mit einbezogen.

Für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, die ein Gymnasium besuchen und keinen oder keinen bis zum Eintritt in die gymnasiale Oberstufe durchgehenden Un-terricht in einer zweiten Fremdsprache erhalten haben, gilt nach wie vor gemäß Punkt 7.4 der Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung (Be-schluss der KMK vom 07.07.1972 i.d.F. vom 15.02.2018), dass diese Schülerinnen und Schüler in der gymnasialen Oberstufe durchgehend Unterricht in einer zweiten Fremd-sprache mit einem Volumen von 12 Jahreswochenstunden belegen müssen und dabei kein Schulhalbjahr in der Qualifikationsphase mit 0 Punkten abschließen dürfen. Die Um-setzung erfolgt für die Schülerinnen und Schüler in den Klassenstufen 9/10 gemäß § 76 Abs. 8 ThürSchulO: „Schüler, die in den Klassenstufen 7 bis 10 nicht durchgehend am Unterricht in einer zweiten Fremdsprache teilgenommen oder keine Sprachfeststellungs-prüfung nach § 135 a abgelegt haben, müssen […] mit Beginn der Klassenstufe 10 oder der Klasse 11 S eine zweite Fremdsprache wählen und diese in der Qualifikationsphase als Fach mit grundlegendem Anforderungsniveau belegen; die Fremdsprache darf in keinem Halbjahr mit null Punkten abgeschlossen werden.“

Mit Angebot der neu einsetzenden Fremdsprache in den Klassenstufen 10 bis 12 im Vo-lumen von 12 Stunden haben Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund genau wie Seiteneinsteiger aus anderen Schularten die Möglichkeit, eine zweite Fremdsprache grundständig zu erlernen und zum Niveau B1/B2 zu führen. Dieses Angebot entspricht der Verfahrensweise in den meisten anderen Bundesländern und stellt für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund eine Erleichterung dar.

6          Die Änderungen im Fremdsprachenangebot der gymnasialen Oberstufe wurden ohne ein demokratisches Beteiligungsverfahren mit Schulleitungen, Eltern und Schülerinnen und Schülern eingeleitet.

Bei den erforderlichen Änderungen im Fremdsprachenangebot der gymnasialen Oberstufe handelt es sich um Veränderungen im Rahmen der bestehenden rechtlichen Bestim-mungen. Ein Beteiligungsverfahren ist daher nicht erforderlich. Gegenwärtig wird eine FAQ-Liste erarbeitet, die auf der TMBJS-Webseite eingestellt werden soll und ggf. dazu beiträgt, offene Fragen von Eltern sowie Schülerinnen und Schülern zu beantworten.

NELEKOM-Projekt

Ausgelaufene oder angeschobene Projekte werden moniert. Wo sind die NELEKOM-Projekte geblieben? Viele Lehrer und Jugendarbeiter in Schule und Verwaltung wünschen sich mehr Kontinuität.

Das Entwicklungsvorhaben „neue Lernkultur in Kommunen“ (nelecom) wurde von 2008 bis 2014 durchgeführt. Ziele waren zum einen die bessere Vernetzung von schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen einer Kommune untereinander und miteinander (strukturelles Ziel) und die Entwicklung eines erweiterten Verständnisses für Bildungsprozesse bei den relevanten Akteuren einer Kommune (kognitives Ziel).

Nach einer Pilotphase mit 4 Kommunen erfolgte in zwei Transferphasen eine Erweiterung auf 32 Kommunen. Diese erhielten Unterstützung durch einen Landeskoordinator, vier Regionalkoordinatoren (jeweils abgeordnete Lehrkräfte, die auf Grund des Personalüberhangs zur Verfügung gestellt werden konnten) und aus ESF-Mitteln finanzierten Kommunalbegleitern. Insgesamt wurden in den Jahren 2008 bis Mitte 2914 seitens des Landes ca. 2 Mio. € für die direkte und indirekte personelle Begleitung der nelecom-Kommunen bereitgestellt. Nach Auslaufen der ESF-Förderperiode und der abgeschmolzenen Personalreserven im Lehrerbereich bestanden nach Auslaufen der 2. Transferphase keine Möglichkeit, die Kommunen weiterhin personell zu unterstützen.

Auch nach Beendigung des Landes-Entwicklungsvorhabens nelecom wird das Thema kommunaler Bildungslandschaften in Thüringen weiter verfolgt. Dies erfolgt seit 2014 mit Unterstützung von Bundesprogrammen, wie der „Transferinitiative kommunales Bildungsmanagement“ sowie „Bildung integriert“ (mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung- BMBF). Diese Programme zielen im Kern auf den Aufbau von Bildungslandschaften einer Kommune sowie die inhaltlich sinnvolle Verknüpfung von kommunalen Bildungsangeboten.

Die Transferagentur Mitteldeutschland arbeitet aktuell verbindlich mit über der Hälfte aller Thüringer Kommunen zusammen. In Thüringen nehmen sechs Kommunen am Bundesprogramm „Bildung integriert“ (Ziele: Aufbau Kommunales Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring) und zwölf Kommunen am Bundesprogramm „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ teil (Ziel: Entwicklung von Strukturen im Bereich „Integration durch Bildung“).

Der Fokus des TMBJS in Hinblick auf die Kooperation von Schulen und außerschulischen Partnern (natürliche Personen) wurde auf den Bereich ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote verschoben (wie ergänzende Maßnahmen an Thüringer Horten sowie Vorhaben mit Hilfe des Schulbudgets), mit denen die Einzelschule passende Angebote aus dem kommunalen Umfeld realisieren kann.

Schulsozialarbeiter

Schulsozialarbeiter: gut gedacht, schlecht gemacht. Eigentlich soll ja jede Schule so einen haben. An den meisten Schulen im Raum Saalfeld-Rudolstadt sind allerdings (bis auf die Förderschulen) zurzeit keine bekannt. Solche Themen sollten langfristig bedenkt werden! Kurzfristig/befristet bringt keinem was – außer den Trägern dieser Projekte!

Schulbezogene Jugendsozialarbeit unterstützt die soziale Integration und trägt zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen bei. Sozialpädagogische Fachkräfte helfen Bildungsbenachteiligungen abzubauen, Personensorgeberechtigte und im Schulkontext Tätige – vor allem Lehrerinnen und Lehrer – durch Beratungsangebote bei der Erziehung zu unterstützen und ein lernförderliches Schulklima mitzugestalten. Schulbezogene Jugendsozialarbeit als Leistung der Jugendhilfe trägt zu Kooperation von Schule und deren gesellschaftlichen Umfeld bei und nimmt eine Brückenfunktion wahr zwischen den Sozialisationsinstanzen, insbesondere Familie und Schule.

Das Angebot der schulbezogenen Jugendsozialarbeit richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die zur Überwindung von Problemlagen, individuellen Beeinträchtigungen und Bewältigung individueller Lebenslagen auf Unterstützung angewiesen sind.

Seit 2013 wird Schulsozialarbeit vom Land Thüringen gefördert. Das Förderprogramm ist nicht befristet, sondern auf Beständigkeit hin angelegt. Es sind an 273 Schulen insgesamt 271 Fachkräfte der Schulsozialarbeit (auf 207 Vollzeitstellen) tätig, die weitgehend vom Land finanziert werden. In Thüringen gibt es aktuell 991 Schulen (Vorjahr 997). An der Gegenüberstellung der Zahl der Schulen insgesamt und der Schulen mit Schulsozialarbeit (991 zu 273) wird deutlich, dass nur in etwa jeder vierten Schule Schulsozialarbeit gegeben ist. Es handelt sich also nicht um ein regelhaftes Angebot an jeder Schule.

Die Entscheidung, an welcher Schule vor Ort diese Jugendhilfeleistung erbracht wird, treffen die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe, die Landkreise und kreisfreien Städte.

Schattenkinder

Schattenkinder – Kinder u.a. deren Geschwister schwersterkrankt sind – kommen häufiger vor als bekannt. Gibt es eine statistische Erhebung über diese Randgruppe?

Nein, eine statistische Erhebung gibt es für diese Schülerinnen und Schüler nicht.

Teilhabe schwerstkranker Kinder

Erhalten auch schwersterkrankte Kinder eine Teilhabe, die der Inklusion nahekommt (baulich, sozial, alltagsnah)?
Schülerinnen und Schüler, die aufgrund einer Erkrankung inklusiv an einer Schule unterrichtet werden, erhalten je nach ihrem Bedarf Unterstützungsmaßnahmen, die denen für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gleichen.  Am Einzelfall muss hierbei geprüft werden, inwieweit ein sonderpädagogischer Förderbedarf besteht und welche personellen, räumlichen und sächlichen Voraussetzungen notwendig sind, um eine Beschulung zu ermöglichen.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, in der Zeit der Erkrankung Haus- bzw. Klinikunterricht zu erhalten.
Hier gilt § 54 Thüringer Schulgesetz Unterricht im Krankheitsfall:
„ (1) Schulpflichtige, die sich sechs Wochen und länger oder wiederholt in medizinischen Einrichtungen aufhalten und deshalb nicht am Unterricht in der Schule teilnehmen, sollen Grundlagenunterricht erhalten. Wurde Grundlagenunterricht eingerichtet, so können hieran alle Schulpflichtigen teilnehmen, die sich in der medizinischen Einrichtung aufhalten.
(2) Schulpflichtige, die wegen Erkrankung sechs Wochen und länger die Schule nicht besuchen können und sich in häuslicher Pflege befinden, können Hausunterricht in den Grundlagenfächern erhalten.
(3) Der Grundlagenunterricht umfasst den Unterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie in der ersten Fremdsprache. Ab der Klassenstufe 9 kann die Fächerauswahl um solche Fächer erweitert werden, die zur Erreichung des Schulabschlusses für die Schüler unentbehrlich sind.
(4) Beginn und Umfang des Unterrichts wird bestimmt durch die Entscheidung der Ärzte über die Belastbarkeit des Schulpflichtigen und die Erfordernisse des Betriebes der medizinischen Einrichtung.
(5) Für diesen Unterricht werden je nach Schulart und Klassenstufe Fachlehrer eingesetzt.“

Unabhängig von den benannten Vorgehensweisen ist jedoch die zwingende Voraussetzung, dass der Gesundheitszustand der betroffenen Schülerin/des betroffenen Schülers eine Unterrichtung überhaupt zulässt. Die Entscheidung darüber trifft der behandelnde Arzt.

Freistellung bei Erkrankung eines Geschwisterkindes

Falls ein Geschwisterkind schwersterkrankt ist: Gibt es die Möglichkeit eines Rückzugs auch für deren indirekt betroffenen Geschwister im Schulgesetz (z.B. bei mehrwöchigem Aufenthalt in Hospizen/Versterbensfall außerhalb der Ferien)?

Gemäß § 7 Thüringer Schulordnung können Schüler in dringenden Ausnahmefällen auf schriftlichen Antrag der Eltern beurlaubt werden. … Zuständig für die Entscheidung ist der Klassenlehrer bei Beurlaubungen bis zu drei Unterrichtstagen, der Schulleiter bei Beurlaubungen bis zu 15 Unterrichtstagen sowie bei Beurlaubungen unmittelbar vor und nach den Ferien und das Schulamt in den sonstigen Fällen.