Bildungswende muss her, wie PISA erneut zeigt!

Die Entsetzung ist groß, am Dienstag, dem 05.12.2023 um 11 Uhr wurde die PISA Studie („Programme for International Student Assessment“) mit erschreckenden
Ergebnissen über die KMK (Kultusministerkonferenz) bekannt gegeben. Nicht nur
die Lese- und naturwissenschaftlichen Kompetenzen sind unterirdisch, sondern vor
allem die Zahl mathematischer Kompetenzen sank.

Generell lässt sich sagen, dass der Großteil der Schülerinnen die Grundkompetenzen sowohl in Mathematik, Lesekompetenz als auch in Naturwissenschaften erfüllt. Besorgniserregend ist dabei allerdings, dass der Anteil der leistungsschwachen Schülerinnen im Vergleich zu 2018 zugenommen hat.
(Zitat der Studie: Alarmierend ist vor allem die Gruppe der leistungsschwachen
Schülerinnen und Schüler, die mit 30 Prozent sehr hoch ist (der OECD-Durchschnitt
liegt bei 31 Prozent) und die in Deutschland im Vergleich zu 2018 um 8
Prozentpunkte zugenommen hat, im Vergleich zu 2012 sogar um 12 Prozentpunkte.
Die leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler haben Probleme, einfache
Aufgaben zu lösen). Mit diesen Zahlen liegt Deutschland knapp unter dem OECD Durchschnitt, wenn auch nur knapp. Geht es um die Zahl der besonders
leistungsstarken Schülerinnen, also der Schülerinnen, welche ein
Kompetenzniveau haben, mit welchem sie besonders komplexe Aufgaben und
Probleme lösen können, so liegt Deutschland entweder genau im OECD Durchschnitt (Mathematik) oder leicht bis stark darüber (Lesekompetenz und
Naturwissenschaften). Insgesamt liegt Deutschland im Vergleich, bis auf in
Naturwissenschaften, knapp unter dem Durschnitt, wobei sich ein klarer
Abwärtstrend erkennen lässt.
Wie die PISA-Studie auch zeigt, wird der Abstand zwischen den Leistungen der
Leistungsspitze und den Leistungsnachzüglern immer größer.

Unter Anderem können diese Ergebnisse durch die Corona-Pandemie zurückgeführt
werden, in welcher viele Schüler*innen den Anschluss an den Unterrichtsstoff
verloren haben. Rund 50% der Lernenden hatten während der pandemiebedingten
Schulschließungen Probleme schulische Aufgaben zu verstehen und/oder jemanden
zu finden, der ihnen diese Aufgaben erklären konnte.

Neben den massiven Verschlechterungen im schulischen Bereich konnte die PISA Studie auch eine andere Problematik erkennen: Ungerechtigkeit.

Lernende, welche einen niedrigeren sozioökologischen Status hatten, erzielten
deutlich schlechtere Punktzahlen als jene, welche einen hohen sozioökonomischen
Status nachweisen konnten.
Auch Schülerinnen mit Migrationshintergrund hatten im Vergleich zu Mitschülerinnen ohne Migrationshintergrund und deutlich geringere Punktzahl. Sie
gehören häufig zur Gruppe der Lernenden mit niedrigem sozioökologischem Status.
Der Anteil von Schüler*innen mit Migrationshintergrund ist im Vergleich zu 2012
doppelt so hoch (26% im Vgl. zu 13%).

Auch lässt sich ein erschütternder Trend beim Thema Mobbing, Ausgrenzung und
Lebenszufriedenheit erkennen. 22% der Schüler*innen berichten von einer großen
Unzufriedenheit mit ihrem Leben (2015: 11%), weitere 12% sowohl von dem Gefühl
von Ausgrenzung als auch von Einsamkeit. Auch erschreckend hoch ist die Menge
an Lernenden, welche regelmäßig Mobbing erfahren. 21% der Lernenden berichten
laut PISA-Studie davon, „ein paar Mal pro Monat“ gemobbt zu werden.

Auf Grundlage dieser insgesamt mehr als besorgniserregenden Ergebnisse fordern
wir als Landesschülervertretung Thüringen Folgendes:

 Bekämpfung des Lehrermangels durch eine bspw. attraktivere Vergütung
für Lehrkräfte zur Bekämpfung von Lerndefiziten der Schülerinnen.  Zeit, welche genutzt wird, um die während der Corona-Pandemie entstanden Lernrückstände aufzuholen, auch wenn diese bereits seit längerem hinter uns liegt.  Weiterbildungen des Lehrpersonals im Bereich der Bekämpfung und Diskriminierung ebenso wie zum Umgang mit Schülerinnen aus Familien
mit einem sozioökologisch schwachen Status zur Prävention von
Ungerechtigkeiten.
 Weiterbildungen des Lehrpersonals zum Umgang mit Mobbing in der
Schule ebenso wie zur Sensibilisierung für dieses Thema, um aktiv gegen
Mobbing vorgehen zu können.
 Workshops und Kurse für Schülerinnen, welche als präventive Maßnahme gegen Mobbing und Diskriminierung dienen sollen und eine  Änderung des Schulsystems, sodass der Fokus darauf liegt, Lernenden beizubringen, wie sie Alltagsprobleme bewältigen und Erfolge erzielen können, um Schülerinnen auf das Leben nach der Schule vorzubereiten.

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